Friss oder stirb…

Im Jahr 1989 erklärte der Oberste Gerichtshof Prostitution zu einem „sittenwidrigen Vertrag“, von da an hatten SexarbeiterInnen keinerlei Ansprüche mehr, ihr Entgelt einzufordern, wenn ihnen die Bezahlung verweigert wurde. Erst im April 2012 wurde diese Entscheidung revidiert und Prostituierte haben nun zumindest theoretisch die Möglichkeit ihr Entgelt einzuklagen. An der Lebensrealität von SexarbeiterInnen hat sich aber nichts zum Positiven gewendet, Prostituierte sind in Österreich seit jeher einer enormen gesellschaftlichen Ausgrenzung und Kriminalisierung ausgesetzt. Prostitution zählt in Österreich nämlich weder als Gewerbe noch als Erwerbsarbeit, SexarbeiterInnen haben somit keinerlei Arbeits- und sozialrechtliche Absicherung.

Schon längst mit einem Fuß in der Illegalität werden seit Jahren die Gesetze verschärft und der Gesetzgeber ist auch nicht gewillt, die rechtliche Stellung der Betroffenen zu stärken. Dass damit die sooft mit dem Rotlicht in Verbindung gebrachte Kriminalität und die sexuelle Ausbeutung der Betroffenen gefördert wird, ist nicht von der Hand zu weisen. Die Politik kümmert sich aber lediglich darum, die Prostitution von den Straßen und den Nobelbezirken in die Randbezirke und viel mehr in den Untergrund zu drängen, wie das in Wien Ende letzten Jahres durch die Errichtung sogenannter Erlaubniszonen geschehen ist.

Aus dem Auge, aus dem Sinn?

In diesen Erlaubniszonen können nach den Vorstellungen der Stadt Wien SexarbeiterInnen ungestraft ihrer Arbeit nachgehen. Anfänglich waren für den legalen Straßenstrich wenigstens fünf solcher Zonen angekündigt, doch scheiterte die vollständige Umsetzung am Widerstand der Bezirke. Zwar rühmte sich die Stadt Wien damit, die SexarbeiterInnen aus dem 15. Bezirk verbannt zu haben, aber allein ein Blick in die Statistik beweist, dass die eingerichtete Erlaubniszonen nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind. Allein in der Bundeshauptstadt soll es neben den 2.758 registrierten Prostituierten auch 3.000-8.000 nicht registrierte SexarbeiterInnen geben und die Erlaubniszone am Prater beispielsweise bietet gerade einmal 50 Frauen die Möglichkeit, ihrer Arbeit nachzugehen. Als das neue Wiener Prostitutionsgesetz im November 2011 in Kraft trat, verschwanden die SexarbeiterInnen jedoch schlagartig von den Straßen der bisherigen „Problembezirke“. Während die verantwortlichen PolitikerInnen davon sprachen, dass sie die Prostitution erfolgreich eindämmen konnten, gehen ExpertInnen mittlerweile davon aus, dass durch die erlassene Verordnung SexarbeiterInnen weiter in die Illegalität getrieben wurden und viele von ihnen in Privatwohnungen oder gar in die Bundesländer ausweichen mussten. Das Ergebnis: Streetworker haben kaum noch Möglichkeiten mit den in die Illegalität gedrängten Prostituierten Kontakt aufzunehmen. Mit dem Inkrafttreten der Verordnung ist aber auch ein Anstieg von Gewalt gegen SexarbeiterInnen zu beobachten, denn es fehlt in den Zonen völlig an Lokalen und Stundenhotels und so sind die Frauen gezwungen, zu ihren Freiern ins Fahrzeug zu steigen, wo sie Übergriffen gänzlich ausgeliefert sind. Durch die Begrenzung auf die legalen Zonen wurde den SexarbeiterInnen zwangsläufig ein enormer Konkurrenzkampf aufgezwungen, so würden viele Frauen Sexpraktiken anbieten, die sie zuvor nicht gemacht hätten und darüber hinaus wird notgedrungen versucht mit enormen Dumpingpreisen Freier zu werben. 1

Für ein menschenwürdiges Leben

Es gilt daher für uns KommunistInnen, uns für die Legalisierung und Entkriminalisierung von Sexarbeit im Kapitalismus einzusetzen. Wir fordern eine Arbeits- und sozialrechtliche Absicherung für Prostituierte, und da v.a. MigrantInnen als SexarbeiterInnen tätig sind, fordern wir Aufenthaltsbewilligungen und Ausstiegshilfen für Opfer von Mädchen-/Frauenhandel.

 

1 http://derstandard.at/1334796320944/Erlaubniszone-Prater-Wiens-Prostitutionsgesetzdraengt-Frauen-weiter-in-die-Illegalitaet