Proletarische Frauenbewegung – Wie, Was, Warum?

Kevin, Oberösterreich

Schon Karl Marx wollte „alle Verhältnisse um[…]werfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“. Das heißt ganz klar, dass man sich gegen jedwede Verhältnisse stellen muss, in denen der Mensch über den Menschen herrscht, egal ob durch Rassismus oder Sexismus etc. Also eine Art inklusiver Feminismus? In gewisser Art und Weise kann man das nur bejahen, die proletarische Frauenbewegung, in deren Tradition wir stehen, stellt sich nicht auf die Seite des Geschlechterkampfes, und wird blind für die Zustände, die zur Diskriminierung und Herrschaft führen. Im proletarischen und somit historisch-materialistisch[1] angeleitetem Feminismus haben die AkteurInnen klar vor Augen, wem es nutzt, wenn wir uns lediglich dem Geschlechterkampf widmen und wer diesen sog

ar für sich vereinnahmen kann, um die Menschen zu teilen und gleichzeitig zu entpolitisieren, indem Gesetze erlassen werden, wodurch Frau zwar de jure, also nach dem Recht, aber nicht de Facto gleichgestellt ist.

Im Kapitalismus muss die Funktion der Ungleichbehandlung von Menschen genauer betrachtet werden, um begreifen zu können, dass die sogenannte ‚geschlechtliche Arbeitsteilung‘die doppelte Ausbeutung von Frauen – neben der Lohnarbeit durch die Zuweisung von Reproduktionsarbeit[2] – für die Ausbeuter von doppeltem Vorteil ist, da Frauen einerseits als Lohndrückerinnen eingesetzt werden (wie Marx und Engels bereits 1848 im kommunistischen Manifest feststellen) und es andererseits Kosten spart, wenn sie die Reproduktionsarbeit im Privaten unbezahlt verrichten müssen, als wenn diese sozialisiert werden würde.

Die Frau wird somit zusätzlich durch die übernommenen Strukturen früherer Gesellschaften ausgebeutet. In unseren Augen ist einzig die ArbeiterInnenb

ewegung in der Lage diese Strukturen aufzubrechen und somit zu beenden. In dieser kämpfen alle Geschlechter, nicht nur Frauen alleine, für die Befreiung der marginalisierten Gruppen. Der Kampf für die Befreiung der Frau ist ebenso Teil Klassenkampfs, wie der Kampf gegen Rassismus oder Homophobie, denn all diese konstruierten Teilungsmechanismen sollen dazu beitragen, dass wir unsere Gleichwertigkeit als Werktätige, als Lehrlinge, SchülerInnen und Jugendliche nicht erkennen. Viele (Früh)Sozialisten erkannten, dass man an der Stellung der Frau in der Gesellschaft in Relation zum Mann auch den Entwicklungsstand der Gesellschaft erkennen kann, weswegen auch eine der Voreiterinnen der proletarischen Frauenbewegung, Clara Zetkin 1928 festhielt, dass „für ein neues, höheres Verhältnis von Mann und Weib, von Eltern und Kindern und in der Folge für die Menschliche Befreiung und Gleichberechtigung des gesamten weiblichen Geschlechts“ eine grundlegende Umwälzung der Gesellschaft – der Eigentumsverhältnisse – notwendig ist. Dies bedeutet, dass die kommunistische Frauenbewegung ein breiteres Ziel vor Augen hat als so manchen bewusst ist. Denn schon allein durch die Vorstellung unseres Ziels, besteht die Möglichkeit, die Frauen aller sozialen Schichten zu Verbündeten in unserem Befreiungskampf zu erheben. Wir müssen die von

der Gesellschaft unterdrückten Frauen erreichen, und ihnen aufzeigen, dass ihr Handeln von dem Wissen geleitet werden soll, dass die proletarische Weltrevolution der einzige Weg zu ihrer Befreiung ist.

Der Proletarische Feminismus hebt sich ganz eindeutig von den sozialdemokratischen Frauenbewegungen ab, welche einst im marxistischen Geiste begonnen hatten, sich heute jedoch schon längst selbst verraten haben, denn eine Frauenquote bedeutet nicht volle Gleichberechtigung, ganz egal wie sie sich dies noch vorgaukeln. Die Sozialdemokratie geht von einer vollen Gleichberechtigung durch die Reform der bürgerlichen Gesellschaft aus, unsere jedoch von der Revolution, was nicht bedeutet, dass wir Reformen zur Verbesserung der Lage der Frau und allen anderen unterdrückten und ausgebeuteten Gruppen nicht mittragen.

Die proletarische Frauenbewegung basiert auf einer Grundlage, welche uns erlaubt Schlussfolgerungen aus den Weltkriegen, der russischen Revolution und dem historischen Geschehen zu ziehen, dies lässt uns zu dem Schluss kommen, dass gesellschaftliche Veränderungen nur mit einem regen und aktiven Anteil der Frauen in der ArbeiterInnenklasse verwirklicht werden können.

Doch was schlussfolgert man aus unserer Geschichte, weshalb begreifen wir die Revolution als unser Ziel und geben uns nicht mit einzelnen, kleinen Reformen zufrieden? Unsere Bewegung geht von Feststellungen aus, welche wir im Laufe der Jahre gemacht haben und welche uns erlauben dieses System so zu verstehen, wie es wirklich ist. Interessant sind bei näherer Betrachtung, die Feststellungen der zweiten Internationalen Konferenz der Kommunistinnen in Moskau. Damals wurden Richtlinien beschlossen, welche unsere Bewegung klar von der Frauenrechtlerei und der bürgerlichen Sozialdemokratie und deren Frauenbewegungen unterscheiden. „Die Richtlinien gehen von der Feststellung aus, daß das Privateigentum die letzte Ursache der Geschlechtssklaverei und der Klassensklaverei ist, und daß einzig und allein die Aufhebung des Privateigentums an den Produktionsmitteln, ihre Umwandlung in Gesellschaftsbesitz, die völlige Frauenbefreiung sichert.“ (Zetkin) Also vereinfacht gesagt, solange der Kapitalismus besteht, bleibt auch die Ausbeutung der Frauen bestehen. Und an dieser Tatsache hat sich bis heute nichts geändert. Die Befreiung der Frau ist nur möglich, wenn eine Veränderung der Gesellschaftsordnung stattfindet, welche tiefreichend genug ist um die Ketten des Patriarchats zu sprengen. Denn ohne den revolutionären Klassenkampf gibt es keine wirkliche volle Frauenemanzipation, sowie es auch ohne eine Beteiligung der Frauen an diesem Kampf, keine erfolgreiche Revolution geben kann! Ohne eine Beteiligung der Frauen an dieser, gibt es keine Zerschmetterung des Kapitalismus, und somit auch keine sozialistische Neuschöpfung!

 

[1] Das ist eine bestimmte Perspektive auf die Welt, in der man davon ausgeht, dass die Umgebung und das Sein aus uns das machen, was wir sind, weswegen sich auch Frauenbilder bspw. verändern. Also von unserer Oma wurde etwas anderes verlangt und sie vertritt teilweise andere Werte als wir und das hängt damit zusammen, dass wir in anderen Umständen leben und dass beeinflusst unser Denken.

[2] Reproduktionsarbeit: Hausarbeit und Sorgearbeit, also Abwaschen und Kochen ebenso wie Kinderbetreuung oder Pflege von Alten und Kranken, aber gleichzeitig auch Erziehung, sie stellt die Reproduktion also den Erhalt der Arbeitskraft ebenso wie der Gesellschaft sicher (Mehr Infos findest du unter: http://kjoe.at/2012/09/lohn-vs-reproduktionsarbeit-im-kapitalismus/).