Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März hielt Genosse Tobia von der KJÖ Tirol folgende Rede auf einer Kundgebung am Wiltener Platzl in Innsbruck:

Liebe Freundinnen und Freunde!

Liebe Genossinnen und Genossen!

Für uns Kommunistinnen und Kommunisten ist der 8. März kein gewöhnlicher Tag, an dem man sich damit begnügen sollte, seinen alljährlichen Glückwunsch auf Facebook zu veröffentlichen oder Nelken zu verschenken. Für uns ist der internationale Frauentag zugleich ein Kampftag und ein Aufruf, ein kategorischer Imperativ zum Handeln. Denn es liegt auf der Hand:

Keine einzige revolutionäre Bewegung der Unterdrückten in der Weltgeschichte der Menschheit ist ohne Teilnahme der Arbeiterinnen vor sich gegangen. Die werktätigen Frauen, wollten und konnten niemals abseits der großen Befreiungsbewegungen stehen. Umgekehrt aber ist es so, dass es die Frauen sind, die in Zeiten dunkelster Reaktion die gesellschaftliche Hauptlast tragen müssen und offenbar von allen Seiten den Angriffen der Regierung ausgesetzt sind, von Einsparungen im Sozialbereich, Lohnkürzungen hin zu Arbeitszeitflexibilisierung und neoliberalen Ausgrenzungsmechanismen.

Die ungleiche Stellung der Geschlechter nahm man, wie wir wissen, über Jahrhunderte hinweg als etwas Normales hin. Der Mann als Ernährer der Familie hatte das Sagen, die Frau war allein für Heim und Kinder verantwortlich, auch wenn sie wie die Proletarierin, Bäuerin oder Gewerbetreibende zum Lebensunterhalt der Familie beitrug. Für sie schickte es sich einfach, im Hinblick auf Bildung, berufliche Ambitionen und persönliche Ansprüche zurückzustehen. Von einer gesellschaftlichen Position ganz zu schweigen.

Die Tatsache, dass die traditionelle Rollenverteilung nicht gottgewollt, sondern von handfesten ökonomischen Gesetzmäßigkeiten bestimmt ist, entschleierten Karl Marx und Friedrich Engels als erste: Sie stellten fest, dass es keine Geschlechter- oder Frauenfrage an sich gibt. Die Zurücksetzung der Frauen ist auch nicht biologisch bedingt, sondern basiert auf der Ausbeuterordnung des Privateigentums an den Produktionsmitteln. Die Frauenfrage ist so gesehen ein Teil der sozialen Frage und integraler Bestandteil des Klassenkampfs, vollständig ist sie nur im Zuge der Veränderung der ganzen Gesellschaft zu lösen – auch diese Feststellung trafen bereits Marx und Engels, womit schon damals den Spaltungsversuchen des dem Kapitalismus innewohnenden Chauvinismus, aber auch dem aus den Produktionsverhältnissen resultierenden bürgerlichen Feminismus eine definitive Absage erteilt wurde.

Der biologische Unterschied der Frau wurde im Bürgertum aber als Minderwertigkeit interpretiert und lange Zeit blieben diese Klischees unangetastet. Erst in den letzten 100 Jahren hat man angefangen, an diesen Grundfesten zu rütteln, an den Stuhlbeinen des Kapitalismus so lange zu sägen, bis es polternd zusammenbrach – durch die Sozialistische Oktoberrevolution von 1917 wurden in einem Schlag die auf Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beruhende Ideologie und Wirtschaftsform geändert – und zwar in tatkräftiger Mitwirkung der arbeitenden und kämpfenden Frauen! Die Frau war zum ersten Mal frei, zu wählen, was sie sein wollte, als was sie arbeiten wollte, was sie eben aus ihrem Leben machen wollte.

Die Oktoberrevolution brachte zum ersten Mal die Frauen ins Rampenlicht der Geschichte und des gesellschaftlichen Handelns, indem sie die soziale, politische und kulturelle Diskriminierung und die jahrhundertealten Vorurteile gegen sie zerschlug. Zusammen mit der Zerschlagung des Staatsapparats des Zarismus und der Bourgeoisie schaffte der junge Sowjetstaat alle jene Gesetze ab, die innerhalb und außerhalb der Familie die Ungleichheit der Geschlechter aufrechterhielt und fortwährend verstärkte. Er ließ “keinen Stein auf dem anderen”. Dieser erste Arbeiterstaat gab den Frauen das Recht, zu wählen und gewählt zu werden, das Recht auf Scheidung, die gesellschaftliche Anerkennung sowie Sicherstellung der außerehelichen Kinder und erschuf somit die Voraussetzungen, dass die Frauen in gleichem Maße wie die Männer, am Aufbau der neuen sozialistischen Gesellschaft, den sozialen und wirtschaftlichen Aktivitäten teilnehmen konnten. Trotz einiger Schwächen und Fehler während des sozialistischen Aufbaus im 20. Jahrhundert, war der Status der Frau ungleich höher entwickelt als in den meisten kapitalistischen Gesellschaften heute. Diese Errungenschaften verstärkten den Druck auch in kapitalistischen Gesellschaften zu bestimmten Zugeständnissen, vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg. Es war dies eine Zeit, in der der Einfluss des sozialistischen Aufbaus im internationalen Maßstab die Entwicklung der Kämpfe inspirierte, die Kampfbereitschaft befeuerte, die Beteiligung und Partizipation von Frauen zur Notwendigkeit werden ließ.

Friedrich Engels war es, der klar und deutlich aufgezeigt hat, dass der Grad der weiblichen Emanzipation das natürliche Maß der allgemeingesellschaftlichen Emanzipation und des kulturellen Fortschritts darstellt.

Wie sieht es nun aber in unserer Gesellschaft aus?

Heute sind die Errungenschaften der Frauen ständigen Angriffswellen ausgesetzt. In Österreich liegt die Lohndifferenz bei sage und schreibe 19,9 %, d.h. Frauen verdienen im Durchschnitt  ein Fünftel weniger als ihre männlichen Kollegen und Migrantinnen verdienen gar ein Drittel weniger als Österreicher, wo man wieder mal sehen kann, wie sich der zynischen Kapitalistenlogik neben Sexismus noch Rassismus hinzugesellt.

Weiters befinden sich 51% der werktätigen Frauen in Österreich in einem sog. atypischen Beschäftigungsverhältnis, d.h. mehr als die Hälfte der Frauen verfügen über keinen Vollzeitjob, während 84% der männlichen Werktätigen sehr wohl über einen verfügen. Aber die müssen nebenher ja auch keine Reproduktionsarbeit leisten. Frauen arbeiten öfter in schlecht bezahlten Jobs, z.B. im Sozial- oder Pflegebereich und dementsprechend ist die Altersarmut unter Frauen größer: im Schnitt erhalten Frauen 982 Euro Pension, ihre männlichen Kollegen erhalten hingegen knapp 1000 Euro mehr. Frauen bilden zurzeit eine eigene Risikogruppe von Armutsgefährdung.

Wir sehen also anhand schon einiger weniger statistischer Erhebungen, wie es der Kapitalismus schafft, die Frau in doppelter und, je nach Hautfarbe und Herkunft sogar in dreifacher Weise auszubeuten.

Unserer Meinung nach muss der 8. März Zeugnis von der Unbesiegbarkeit der Befreiungsbewegung der geeinten ArbeiterInnenklasse ablegen und als ein Vorbote ihrer großen Zukunft stehen. Und in diesem Sinne muss auch der Ausspruch Clara Zetkins verstanden werden, dass nämlich die Emanzipation der Frau, wie die der ganzen Menschheit, ausschließlich das Werk der Emanzipation der Arbeit vom Kapital sein kann. Nur im Sozialismus können Frauen und Männer in den Vollbesitz ihrer Rechte gelangen.“ Die Alternative bzw. das Scheitern dieser Befreiung hat Rosa Luxemburg unumwunden als „Barbarei“ gebrandmarkt. Soviel zur gegenwärtigen Situation.

Wir sind der der Meinung, dass ein wirksamer und definitiver Kampf für die Befreiung der Frau nur auf der Grundlage des gemeinsamen Kampfes von Frauen und Männern für die Befreiung der ArbeiterInnenklasse vom Joch der Kapitalisten und der Kapitalistinnen, für den Sozialismus-Kommunismus geführt werden kann. Die Erkämpfung von gleichen politischen Rechten für Frauen im Rahmen des Kapitalismus, soweit dies möglich ist, und die Bekämpfung der Grundlagen der ökonomischen Abhängigkeit der Frau vom Mann müssen zum Ziel haben, die Organisierung der ArbeiterInnenklasse voranzutreiben, ihre Reihen aus Männern und Frauen zusammenzuschweißen, um so eine tatsächliche Gegenmacht gegen die Herrschaft des Kapitals aufbauen zu können.

Liebe Genossinnen und Genossen,

Unterdrückung, Ausgrenzung und Ausbeutung haben im Kapitalismus Wesenscharakter, sie sind keine Betriebsunfälle, sondern vorprogrammiert. Wir müssen uns von der naiven Vorstellung eines guten und humanen Neoliberalismus, von dessen Reformierbarkeit, endgültig verabschieden und endlich alle politisch aktiv werden auf dem Boden des proletarischen Feminismus – und immer dann, wenn sich bürgerliche Feministinnen und Feministen aufspielen, unter dem Deckmantel trendiger Modeerscheinungen zu profitablen Vorfeldorganisationen der Herrschenden werden – so etwa der SPÖ und der Grünen allen voran, aber sogar die FPÖ, die ÖVP, die NEOS mischen sich mitunter in die Debatten der Frauenfrage ein und wir werden verstehen lernen müssen, dass alle diese Diskurse nur zwei Seiten derselben Medaille darstellen – nämlich der bürgerlichen Ideologiefabrik, die ein lebhaftes Interesse daran hat, das Proletariat zu spalten – immer dann werden wir die grundsätzlichen Fragen stellen:

Wer hat das Problem als erstes erkannt und auf eine materialistische Basis gestellt? Das waren Karl Marx und Friedrich Engels.

Wo war die Frau zum ersten Mal in jeder Hinsicht gleichberechtigt? Das war in der Sowjetunion.

Wer war die erste Ministerin in der Weltgeschichte? Das war Alexandra Kollontai in der Sowjetunion.

Welches Land schickte die erste Kosmonautin in den Weltraum? Das war die Sowjetunion.

Und die Liste könnte endlos weitergehen …

 Wir haben in diesem System nichts zu verlieren als unsere Ketten, aber im Gegensatz dazu eine ganze Welt zu gewinnen!

In diesem Sinne,

Hoch die internationale Solidarität!

Hoch die proletarische Frauenbewegung!

Kundgebung zum Frauentag am Wiltener Platzl in Innsbruck.